Individualität nimmt Form an bei Erdem AW26 x Kevin.Murphy
Zwanzig Jahre nach der Gründung seines Londoner Hauses feierte Erdem Moralıoğlu mit der Herbst/Winter-Kollektion 2026 das Jubiläum unter dem Titel „The Imaginary Conversation“. Statt nostalgischer Rückschau stand Kontinuität im Mittelpunkt: ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Muse und Moderne.
Eine zentrale, wenn auch leise Rolle spielte dabei das Haar. Unter der Leitung von Eugene Souleiman, Global Creative Director und Pro Ambassador von KEVIN.MURPHY, wurde es zum sinnlichen Bindeglied der Kollektion – texturiert, romantisch, echt.






Individualität statt Uniformität
Im Mittelpunkt stand eine klare Haltung: Jede Frau sollte wie sie selbst wirken – nicht wie eine stilisierte Version einer Idee. Souleiman verzichtete bewusst auf uniforme Looks. Stattdessen setzte er auf Natürlichkeit, Bewegung und eine Textur, die Charakter zeigt.
„Die Show drehte sich um die Idee einer imaginären Konversation und um all die Musen der letzten 20 Jahre“, erklärt Moralıoğlu. „Beim Haar waren wir fast besessen davon, dass jede Frau individuell aussieht.“







Das Ergebnis: Frisuren mit weicher, fast flirrend-leichter Struktur. Romantisch, aber nicht verspielt. Präzise, aber nie streng. Ein Look, der nicht geschniegelt wirkt, sondern gelebt – als sei er organisch entstanden und nicht vor dem Spiegel konstruiert worden.
Textur als erzählerisches Element










Souleiman verstand das Haar als Erweiterung von Erdems Archivarbeit. Wie die Kollektion selbst entstand auch das Styling aus einem Prozess des Neu-Zusammensetzens: Bekanntes wurde dekonstruiert, neu interpretiert und in einen unerwarteten Kontext gesetzt.
Mit Models unterschiedlichen Alters, verschiedener Haarstrukturen und Hintergründe war klar: Ein Einheitslook würde der Idee widersprechen. „Es ging nicht darum, etwas aufzuzwingen“, so Souleiman. „Sondern darum, die natürliche Textur zu nehmen und sie weiterzuentwickeln.“
Frisch gewaschenes, luftgetrocknetes Haar wurde leicht mit Wasser benetzt. Anschließend wurde KEVIN.MURPHY ANTI.GRAVITY aus der Distanz aufgesprüht, sodass sich das Produkt sanft auf die Oberfläche legte. Die Technik verstärkte Bewegung und Leichtigkeit, ohne sichtbare Styling-Spuren zu hinterlassen: Locken konnten sich öffnen, glattes Haar gewann an Kontur, zurückgenommene Frisuren wirkten mühelos statt konstruiert. Für ausgewählte Looks kam KEVIN.MURPHY POWDER.PUFF sparsam am Ansatz zum Einsatz. Ein feiner Nebel erzeugte dezente Porosität und Dimension – ohne Beschweren, ohne Schwere.
Gewollte Unvollkommenheit
Entscheidend war das bewusste Spiel mit Imperfektion. Kein Haar sollte zu perfekt fallen, keine Linie zu exakt gezogen sein. Gerade diese kleine Unregelmäßigkeit verlieh den Looks Authentizität. Souleiman beschreibt die Herausforderung als Balanceakt: Das Haar sollte real wirken – tragbar, nahbar, selbstgemacht – und gleichzeitig eine fast entrückte, texturale Leichtigkeit besitzen. Ein kühler, persönlicher Ausdruck mit subtiler Schärfe. So wurde das Haar bei Erdem AW26 nicht zum Beiwerk, sondern zur Haltung: ein leiser, aber präziser Ausdruck von Individualität – geformt aus Erinnerung, Textur und Persönlichkeit.
Credits:
Runway: Erdem // Backstage: Kevin.Murphy









