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Curl-Gamechanger: Lufttrocknen oder Diffusor?

Warum viele Lockenfriseure das Thema differenzierter sehen

Locken
Bild: KI-generiert

In der Curly-Community gilt Lufttrocknen oft als die schonendste Methode für lockiges Haar. Keine Hitze, kein Föhn, möglichst wenig Eingriff – so lautet eine der häufigsten Empfehlungen für Naturlocken. Doch ein Blick in die Salonpraxis zeigt: So eindeutig ist die Sache nicht. Viele spezialisierte Lockenfriseure beobachten im Alltag, dass das Ergebnis stark davon abhängt, wie lange das Haar nass bleibt und wie der Trocknungsprozess gestaltet wird.

Eine Umfrage unter Lockenexperten aus dem deutschsprachigen Raum zeigt, dass das Thema in der professionellen Praxis deutlich differenzierter betrachtet wird.

Wenn Locken zu lange nass bleiben

Viele Friseure berichten von ähnlichen Beobachtungen bei Kundinnen, die ihre Locken ausschließlich lufttrocknen lassen. Häufig geht es dabei nicht um Hitzeeinwirkung, sondern um die lange Phase, in der das Haar komplett nass bleibt.
In diesem Zustand ist die Haarfaser besonders empfindlich gegenüber mechanischen Einflüssen – etwa Reibung oder Zug.

Elke Göttgens von Curl Education beschreibt das so: „Lufttrocknen ist nicht automatisch schonend. Bleibt das Haar sehr lange nass, fehlt oft die nötige Unterstützung am Ansatz. Die Locke verliert dort an Halt, das Volumen fällt zusammen und platte Ansätze sind die Folge. Entscheidend sind ein kontrolliertes Wasser-Management und die richtige Vorbereitung.“ Gerade bei dichterem Haar oder längeren Locken kann sich die Trockenzeit stark verlängern – mit Auswirkungen auf Volumen und Definition.

Der unterschätzte Einfluss von Reibung

Neben der Dauer der Nässe spielt ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: Reibung während des Trocknungsprozesses. Diese entsteht nicht nur durch Handtücher, sondern auch durch Kleidung, Bewegungen oder häufiges Berühren der nassen Haare. Besonders in der sensiblen Nassphase kann dadurch die Schuppenschicht aufgeraut werden, was Frizz begünstigt und die Bündelung der Locken beeinträchtigt. Viele Lockenfriseure achten deshalb besonders darauf, wie das Haar nach der Wäsche behandelt wird und welche Materialien dabei verwendet werden.

Wann Lufttrocknen an seine Grenzen stößt

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass reines Lufttrocknen nicht für jede Haarstruktur gleich gut funktioniert. Vor allem bei folgenden Voraussetzungen berichten Friseure häufiger von weniger stabilen Ergebnissen:
• hohe Haardichte
• längere Haarlängen
• poröse Haarstrukturen
• sehr empfindliche Lockentypen

Iris Scheuermann von „haarverliebt“ bringt es auf den Punkt: „Lufttrocknen wird online oft vereinfacht dargestellt. In der Praxis ist es weder grundsätzlich richtig noch falsch. Entscheidend sind Haarstruktur, Reibung, passende Produkte und die gewünschte Definition.“

Diffusor: Ein Werkzeug, das oft unterschätzt wird

Während viele Curly-Routinen Hitze grundsätzlich vermeiden möchten, sehen viele Profis den Diffusor differenzierter. Richtig eingesetzt kann er helfen, die Lockenform schneller zu stabilisieren und die Trockenzeit zu verkürzen.

Ramin Dell von Luxury Hair erklärt: „In der Praxis sehen wir oft bessere Ergebnisse, wenn Locken kontrolliert und zügig getrocknet werden. Diffusen kann die Definition verbessern und Frizz reduzieren – vorausgesetzt, Technik und Produkte stimmen.“

Auch Lockenexpertin Mona Haase von der The Art of Curls Academy in München empfiehlt eine Kombination aus beiden Methoden: „Locken dürfen lufttrocknen, sollten aber nicht stundenlang nass bleiben. Zu lange Feuchtigkeit kann die Haarstruktur schwächen, Frizz fördern und auch die Kopfhaut belasten. Ideal ist oft eine Kombination aus kurzem Antrocknen und anschließendem sanften Diffusen bei niedriger Hitze.“

Astrid Schmidt-Hock von ASH Education bzw. HaarSchmidt aus Kehl-Kork formuliert es noch klarer: „Ich rate nicht zum reinen Lufttrocknen. Eine gleichmäßige Locke vom Ansatz bis in die Spitzen lässt sich mit dem Diffusor stabiler ausformen, sodass Sprungkraft und Haltbarkeit besser erhalten bleiben.“

Auch die Kopfhaut spielt eine Rolle

Ein weiterer Aspekt, der in Diskussionen rund um Lockenpflege häufig übersehen wird, betrifft die Kopfhaut. Wenn Haare über längere Zeit komplett nass bleiben, kann auch die Kopfhaut stark belastet werden.

Susan Büchner von Miss Cuty aus Hofheim am Taunus erklärt: „Zu langes Lufttrocknen kann nicht nur den Haaren, sondern auch der Kopfhaut schaden. Bleibt sie über Stunden feucht, entsteht ein warmes Milieu, das Hautirritationen begünstigen kann. Zudem ist nasses Haar besonders anfällig für Reibung und Zug, was schnell zu irreversiblen Schäden führt.“

Fazit aus der Salonpraxis

Die Erfahrungen der Lockenexperten zeigen: Eine pauschale Regel für das Trocknen von Locken gibt es nicht. Ob Lufttrocknen oder Diffusor besser geeignet ist, hängt immer von mehreren Faktoren ab:
• Haarstruktur
• Haardichte
• Länge der Locken
• Technik und Produkte
• Dauer der Nassphase

Für viele Lockentypen kann eine Kombination aus kurzem Antrocknen und anschließendem sanften Diffusen eine praktikable Lösung sein – mit stabiler Definition und weniger Frizz.

Gastbeitrag und Umfrage von Curly’N’Covered: www.curlyncovered.com

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